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Zunächst die Kurzform von
wo Milch und Honig fließt

These 1 (Gesellschaft des Weniger):
In Westeuropa, der Region des Mehr, entsteht gerade eine Gesellschaft des Weniger. Wir erleben erstmals Schrumpfung, Verrandung, Verarmung auf vielen Ebenen. Weginterpretieren hilft da nicht mehr. Anerkennen und lenken ist angesagt.

These 2 (Befreiung aus dem Reichtum):
Das heißt: aus dem beängstigenden Hereinbrechen der Armut einen Prozeß der Befreiung heraus aus dem Reichtum zu machen und eine neue Theorie dieser neuen Befreiung zu formulieren. Diese kann an Befreiungstheorien im armen Süden anknüpfen, die im dortigen katholischen Kontext entstanden sind. Sie muss aber ganz eigene Wege gehen.

These 3 (Was heißt "Milch und Honig"?):
Kerntext der südlichen Befreiungstheologie war der Auszug des biblischen Volkes Israel aus der Knechtung: eine Befreiung. Deren Ziel war das "Land, wo Milch und Honig fließt". Die nordwestliche Befreiungstheologie entdeckt Das ist ein Land des kargen, freien und zukunftsfähigen Lebens - nicht des materiellen Überflusses.

These 4 (Grund-Satz der Befreiung):
"Selig sind die Armen" ist der Grund-Satz einer jeden christlichen Theorie = Theologie der Befreiung. Mit diesem Satz wendet Jesus sich den physisch und psychisch Armen und auch denen zu, die soziale Normen nicht erfüllen können oder wollen.

These 5 (Arme leben zukunftsfähig):
Die Seligkeit der Armen und Randexistenzen - ArmSeligkeit - holt die Zukunft des Reiches Gottes in die gesellschaftliche Gegenwart. Das gegenwärtige Leben der Armen ist zukunftsfähig und zukunftsträchtig.

These 6 (Am Rand: die Mitte):
Der Gott der Armseligen ist ganz am Rand der Gesellschaft zu erfahren. Die Vertreter der Expansionsgesellschaft können mit ihm nichts anfangen. Dieser Gott macht den abgeschriebenen Rand der Gesellschaft zur alternativen und kreativen Mitte.

These 7 (Zivilisation des Randes):
Eine Zivilisation des Randes entsteht an den Orten der Ausweglosigkeit. Sie bringt Innovationen jenseits der Wachstumswelt hervor und ist eine Kultur des Weniger. Und sie ermöglicht Bündnisse dafür: zwischen Materialisten und Idealisten, Hochgebildeten und der Unterschicht.

These 8 (Argumente für das Weniger):
Die Verhältnisse zwingen uns zum "Flacher-Ruhiger-Knapper". Es gibt einleuchtende Argumente, diesen aufgezwungenen Vorgang zu akzeptieren. Dadurch kommen wir, wenn auch wider Willen, zu einem kargen, anständigen und freien Leben.

These 9 (Bürgerwürde und Bürgergeld):
Eine neue Philosophie des Bürgerseins heißt: "Wertvoll unabhängig von Leistung". Sie ist mit der biblischen Rechtfertigungslehre verwandt. Ihr entspricht ein voraussetzungsloses Bürgergeld (Grundsicherung) für Jede(n). Diese ist auf eine neue Art sozial: materiell kann dann keine(r) mehr ins Bodenlose stürzen.

These 10 (Ein gemeinsamer Wohlstand):
Südliche Theorie der Befreiung aus der Armut und Nördliche Theorie der Befreiung zur Armut und aus dem Reichtum heraus sind verwandt, allerdings über Kreuz. Eine akzeptierte und gestaltete Süd-Nord-Annäherung der Entwicklungsniveaus drückt diese Verwandtschaft aus: Eine dortige Befreiung aus der Armut und eine hiesige Befreiung in die Armut haben ein gemeinsames Ziel: einen globalen Wohlstand etwa auf dem Niveau von Chile bzw. Slowenien.

These 11 (Das Ende des Kapitalismus):
Den globalisierten Kapitalismus expandiert sich kaputt und beschleunigt sich zu Tode. Er erzeugt immer mehr und immer breitere Ränder - Regionen, die für ihn uninteressant sind. An diesen seinen Rändern entsteht, unbewusst und chaotisch, eine Alternative, eine neue Zivilisation.

These 12 (Staats-Agenda 2020):
Politik und Politiker müssen ihre eigene Verrandung, ihr Eingebundensein in das allgemeine Schrumpfen durchschauen, ein ehrliches "Schrumpfung und Vernunft" statt (immer noch) eines forschen "Wachstum und Verantwortung" propagieren und an den Rändern der Gesellschaft Autonomie und Innovation zulassen.

These 13 (Kirche der Armen?):
In der Geschichte der Kirche wurde schon bald der Primat der Armen uminterpretiert zum Mitleid mit den Armen. Das war immerhin ganz nett, traf aber nie das ursprünglich Gemeinte.

These 14 (Kirche der Armen!):
Wenn die Kirche wirklich wieder zur Kirche der Verrandeten und Armen wird, wird sie zu einer befreiten befreienden Kirche. Dann ist sie, die selbst verrandet, dabei, wenn der Rand zur Mitte wird und wenn Randexistenzen heute zukunftsfähig und zukunftsträchtig leben.

These 15 (Nachwort: Klärungen):
Eine westeuropäische Befreiungstheologie hat kein Ideal und nennt kein erwünschtes Ziel. Statt einen Optativ auszusprechen, erinnert sie an einen Indikativ: Ungewollte Entwicklungen, die gewiß kommen, sollen und können akzeptiert, gesteuert und dadurch erträglich gemacht werden.

© Hans-Peter Gensichen