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Nachwort: Klärungen

In diesem Buch werden Schrumpfen und Bröckeln nicht gefordert, auch wird materieller Wohlstand nicht abgelehnt. Und die Expansionsgesellschaft soll nicht gekippt werden. Dies ist keine Schrift der Optative, sondern der Indikative.
Ich gehe davon aus, dass die Expansionsgesellschaft im Nordwesten gerade dabei ist zu kippen, dass die Armut hier massiv kommt, dass die Ränder unserer Gesellschaft breiter und immer noch "randiger" werden. Das ist Bestandsaufnahme, es ist weder Prophetie noch Politik noch Werbung. Und der Hinweis auf die ärmeren und glücklicheren Lateinamerikaner: er ist keine Lyrik, sondern Statistik. Wenn ich schließlich vom nahenden Ende des internationalen Kapitalismus spreche, fordere ich niemanden dazu auf, dieses Ende herbeizuführen, sondern ich sage ganz einfach, dass die Kapitalisten das schon selbst tun. Indikativ also.

Immer wieder rede ich von einer neuen, ganz anderen Sozialität für Westeuropa. Die bisherige nordwestlich-nationale Luxussozialität kann es in einer globalisierten Welt gar nicht mehr geben. Man kann heute im Nordwesten der Welt die Armut nicht mehr genau so eliminieren wollen wie die Armut des Südens. Global praktizierbar und global gerecht ist es hingegen, wenn Nord und Süd sich auf einem gemeinsamen Niveau der Entwicklung treffen, und das kann nur deutlich unter dem westeuropäischen liegen. Tatsächlich finden bereits Entwicklungen der Globalisierung statt, die in diese Richtung weisen. Auch das "Flacher-Ruhiger-Knapper" in diesem Buch ist keine Forderung (etwa an engagierte Lebensstilpioniere). Sondern es ist ein Ereignis, von dem alle schon betroffen sind und das nun alle organisieren und meistern müssen.
Weil es mir um das Meistern geht, erhebe ich auch keine Anklage gegen wen auch immer, wenn ich die Verluste beschreibe. Nicht weil ich letztere begrüßen würde oder weil ich denken würde, dass es nichts zu klagen gebe, sondern weil das Klagen das Meistern und Organisieren allzu leicht hemmt und hindert. Ich fordere also nicht auf, ich klage nicht an. Ich stelle vielmehr fest.

Und dann spreche ich eben vom "Meistern", die neuen Verhältnisse meistern. Das ist dann allerdings doch mehr als "Ihr Kommen feststellen bzw. aushalten". Darum wird in diesem Entwurf immer wieder gezeigt, wie wir das, was ohnehin im Kommen ist, organisieren, also gestalten und steuern - also ein vertretbares Projekt draus machen - können. Dazu gehört, antikapitalistische Entwürfe zu nutzen - wie den eine "Solidarischen Ökonomie". Bisweilen spreche ich auch von Elementen, welche wie neoliberale Versatzstücke aussehen. Aber bei mir haben die ein ganz anderes, eigenes "um zu". Während der Neoliberalismus massenhaft Menschen an den Rand, ins Nichts drängt, erinnere ich an eine Dynamik des Nichts, welche gerade diesen Rand mit neuem Leben erfüllt. Was ich dann zur Süd-Nord-Annäherung der Entwicklungsniveaus sage, lässt manchen vielleicht an den Alarmbegriff "Brasilianisierung des Westens" denken. Aber ich zeige ja gerade, wie man diese human und sozial (und auch illusionslos) gestalten kann! Das muss den Neoliberalen ganz gegen den Strich gehen. Denn die wünschen sich (1.) eine Brasilianisierung nach ihrer Fašon und denken (2.) an ganz andere Dynamiken als die "des Nichts". Doch die Verrandeten finden gerade dank einer solchen Dynamik in aufgezwungenen Entwicklungen schließlich und endlich etwas Steuerbares, etwas, dem sie ein humanes Element abringen können. Mitten in dem Desaster, in das sie gestoßen wurden, ereignet sich so ein ganz und gar unneoliberales Projekt der Befreiung.

© Hans-Peter Gensichen